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Nickend hatte er Leons Frage im Stillen beantwortet. Denn auch der junge Mann hatte eine klare Vorstellung, was Freundschaft anbetraf. Abendlicht aber konnte partout nicht die Ansicht teilen, das Ganze mit Wurzeln zu vergleichen. Die Vergleiche, die Du ziehen willst, seien jedem selbst überlassen. Es kommt stets auf die Argumentationweise an, wie man die Verbindungen zieht. Als Leon begann zu lauschen, bemerkte der Viokar erst, dass jemand hinzugekommen war. Eine Frau, welche auf einen der Bankreihen zu beten begann. Im Gegensatz zu seinem Gesprächspartner, lauschte Abendlicht nicht sondern hörte nur die frage, die der junge Mann sogleich stellte. Es kann durchaus möglich sein, dass auch die Frau dort einen Freund braucht. Jedoch spricht sie von jemand anderen... Dairean hatte sie, glaubte er, gesagt. Natürlich erinnerte der Blonde sich sofort an die junge Frau, wie er unlängst getauft hatte in diesem Orden. Und er erinnerte sich auch, dass dies die allererste Taufe war, die er zum Großteil selbst geleitet hatte. Natürlich wurde er von Mutter Ikalein unterstützt, welche noch vor ihm Ordenskaplan war... Wie es Dairean wohl geht? Er hatte gehört, dass sie nicht mehr im Orden zu finden war und das Gespräch mit Rhobarii zuvor, lief auch auf sie hinaus... Etwas muss geschehen sein, dass Abendlicht selbst nicht begriffen hatte. Und so blickten die Hellbraunen zu der Frau mit der Schneeeule.
Wenn jemand von der Dunkelheit spricht, muss man nicht zwangsweise von der Nacht reden. Mit Dunkelheit assoziieren wir mehrere Dinge, wie zum Beispiel die Finsternis, welche uns Angst einjagen kann. Oder jene, in der wir unfähig sind zu sehen und deswegen unsere Weg aus den Augen verlieren. Soetwas kann durchaus gemeint sein, Leon. Wennauch sich Abendlicht nicht sicher war, worüber die Frau gesprochen hatte, interpretierte er sehr viel in die Worte hinein. Das war typisch. Natürlich kam er dabei nicht umhin auch einmal vollkommen falsch zu liegen, und dennoch lag es in seiner Natur. Man betet oft für Andere, weißt Du? Für teure Menschen, die einem ans Herz gewachsen sind - für wahre Freunde zum Beispiel, für Kinder und Familien. Und man weiß, dass der HERR stets unsere Gebete erhört. Und mit stets meine ich das auch so.
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