Als alle das Lied zu Ende gesungen hatten, schweigt Ika kurz. Nur ganz kurz, um das Gefühl der Gemeinschaft und des Zusammengehörens, welches durch das gemeinsame Singen aufgekommen war, nachklingen zu lassen. Die Aufregung hat sich nun mittlerweile völlig gelegt und lächelnd lässt sie den Blick ihrer smaragden Seelenspiegel über die Anwesenden, ehe sie ruhig anfängt zu sprechen.
" Demut: Ein Wort das wohl für die meisten Menschen einen bitteren Beigeschmack von Unterwürfigkeit hat, negativ assoziiert wird. Ungläubige Spötter meinen, ein demütiger Mensch sei der, welcher sich auch noch bei dem bedanke, der ihm einen Tritt in den Allerwertesten gegeben habe.Oder der dem die Hand küsse, die ihn zuvor ausgepeitscht habe. Ein demütiger Mensch sei ein Mensch ohne Rückgrat, ein Kriecher und Schleimer, dazu ein Angsthase, ohne Würde und Selbstachtung. Ich behaupte jedoch, Demut ist sogar etwas Befreiendes. Das Problem ist nur, dass Demut oft falsch interpretiert wird.
Zunächst befindet sich in diesem Begriff das Wort „Mut“. .Das bedeutet: Ich darf zu mir selber JA sagen. Ich bin einmalig. Ich bin ein Geschöpf Gottes. Ich bin wertvoll, unbezahlbar.Ich habe ganz besondere Gaben. Ich bin von Gott geliebt. Ich bin ....... so könnte man die Reihe fortführen. ABER .....
Was ABER werdet ihr jetzt denken. Aber ich brauche mich nicht in den Mittelpunkt zu stellen, brauche nicht den starken Mann oder die starke Frau markieren, die ich sowieso nicht bin. Ich brauche mich nicht abmühen, brauche nicht mich ständig abackern, um im Konkurrenzkampf mitzuhalten. Das alles nimmt mich gefangen, hält mich von Gott ab. Der Namenslose verbietet uns nicht an Gott zu glauben. Aber er versucht unsere Zeit mit unwichtigen Dingen zu füllen, um uns von Gott abzuhalten.
Unser HERR wusste von Anfang an, dass es nicht gut für uns ist, wenn wir uns pausenlos abzuackern, wenn wir keine Ruhe finden. Deshalb stellte er uns andere Menschen zur Seite. Und der Allmächtige tat noch mehr...ER schenkte jedem von uns andere Gaben. Daraus resultiert logischerweise: Wir dürfen uns aneinander freuen und uns gegenseitig ergänzen. Mein Nachbar ist nicht meine Konkurrenz, sondern meine Ergänzung. Die anderen Mitglieder sind nicht Konkurenten auf dem Weg zu einem höheren Posten, sondern Teil unserer Ordensgemeinschaft. Nun mal ehrlich: Hat einer von Euch sich heute schon über ein Ordensmitglied gefreut, dem er im Prinzip nicht nahe steht? Dazu möchte ich Euch jetzt Gelegenheit geben und Euch einladen: Reicht eurem Nachbarn vor und hinter euch sowie links und rechts von euch eine Hand. Vielleicht sagt ihr auch: „Danke für deine Hilfe, danke Gott, dass dass Du sie/ihn geschaffen hast, wie er/sie ist."
Nachdem sie zu Ende gesprochen hat wartet sie gespannt auf die Reaktionen. Viele Leute sind nicht da, doch hofft sie, dass die wenigen die da sind, eben dies tun würde, worum sie gebeten hatte.
Lavly lauscht gebannt Ikas Predigt und nickt. Schweigend reicht sie Minnie und ihrem Nachbarn die Hand und schaut in ihre Reihe, ob es andere ihr nachtun würden, wie Ika sie gebeten hatte.
Lächelnd nimmt Minni Lavs Hand und macht sich lang um Amelias zu nehmen die sie strahlend ansieht. Schliesslich gehören auch die vielen Kinder die auf der Burg leben dazu...
Er hörte in ruhe zu und schaute sich um aber niemand war in seiner nähe um das auszuführen worum sie gebeten wurden. Dann strich er der kleinen Maus über den Kopf als minni ihr Händchen nahm.
Adarana hört die von Ikalein gesprochenen Worte und beginnt sie zu verinnerlichen. Sie nickte mit dem Kopf und reicht den neben ihr stehenden Ordensschwestern und Brüdern die Hand.
Meela sah sich um, irgendwie saß sie etwas abgelegen, doch Ikas Blick lag etwas auffordernd auf ihr. So erhob sie sich, ging einige Schritte und reichte dann einem Ordensbruder, dessen Namen sie leider nicht kannte ihre Hand.
Gypsi kommt leise in die Kapelle....sie hat es versäumt rechtzeitig hier zu sein....hoffentlich ist Ika nicht böse denkt sie sich und setzt sich auf einen der letzten Bänke......
Aufmerksam beobachtet Ika die Anwesenden, ein leichtes Lächeln legt sich auf ihr Gesicht, als sie sieht wie einander die Hände gereicht wird. Besonders freut sie sich, als sie sieht, wie ihre Schwiegermutter in Spe noch eintritt und sich leise hinsetzt. Insgeheim beschließt sie Meela zu bitten nächste Woche noch eine Messe mit ihr abzuhalten. Dann würden hoffentlich mehr kommen und der Effekt mit den Hände reichen wäre vielleicht ein größerer. Aber jeder Anfang ist schwer und klein. So nickt sie sachte, redet weiter
"Nun, das war doch nicht so schwer... Eng verbunden mit der Demut, steht der Gehorsam. Auch Gehorsam hat für die meisten Menschen anfangs einen bitteren Beigeschmack. Viele verbinden damit, dass man willenlos Dinge tut, die einem vorgeschrieben werden, egal ob vernünftig oder nicht. "Gehorsam" klingt immer ein bisschen nach "blind gehorchen"; so als wenn man sein eigenes Denken ausschaltet.
Kinder zum Beispiel überblicken noch nicht die ganze Wirklichkeit und sämtlich Folgen ihres Tuns. Deshalb muss jemand, der einen besseren Überblick hat, für sie vorausschauen und ihnen bestimmte Dinge verbieten und zu anderen Dingen auffordern. Kinder gehorchen (wenn sie gehorchen), weil sie guten Grund haben, ihren Eltern zu vertrauen.
Sobald wir aber meinen, selbst alles zu überblicken, lehnen wir es ab, dass jemand für uns vorausschaut - und verweigern den Gehorsam. Man sieht es auch bei den jungen Leuten, die darauf bestehen, keine Kinder mehr zu sein: Gehorsam zu sein ist ein Zeichen von Unmündigkeit. Selbst zu entscheiden, ist ein Zeichen für Unabhängigkeit und Erwachsensein.
Dabei ist es uns dann manchmal egal, ob wir die Wirklichkeit tatsächlich so gut überblicken, dass wir allein zurecht kommen. Lieber fallen wir ab und zu mal kräftig auf die Nase, als dass wir unsere Unabhängigkeit wieder an den Nagel hängen und Gehorsam üben. Dabei geht es nicht in erster Linie darum, unsere eigene Ansicht aufzugeben und - weil jemand, wie die Ordensleitung oder höher Gestellte des Ordens es uns sagen - einfach anderer Meinung zu sein.
Gehorsam zu sein, heißt ja nicht, das wir aufhören sollen zu denken. Sondern dass wir begreifen, dass unser Denken eben nicht alles umfasst, dass vieles noch außerhalb unseres Horizontes liegt. Es geht darum, dass wir durch den Gehorsam lernen, uns mit Leib und Seele (und unserem Denken und Erkennen) auf den zu verlassen, der eine größere Sicht auf diese Welt hat."
Abermals hält sie inne, blickt die Anwesenden an, lässt ihnen Zeit über ihre Worte nachzudenken, hofft, dass sie wenigsten bei den wenigen angekommen war, verstanden worden war.
Er hörte wieder aufmerksam zu aber zog wieder eine Augenbraue nach oben bei einem Gewissen Absatz. Er gab Amelia einen Keks den er in der Tasche hatte weil sie anfing unruhig zu werden.