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Aufmerksam beobachtet Ika die Anwesenden, ein leichtes Lächeln legt sich auf ihr Gesicht, als sie sieht wie einander die Hände gereicht wird. Besonders freut sie sich, als sie sieht, wie ihre Schwiegermutter in Spe noch eintritt und sich leise hinsetzt. Insgeheim beschließt sie Meela zu bitten nächste Woche noch eine Messe mit ihr abzuhalten. Dann würden hoffentlich mehr kommen und der Effekt mit den Hände reichen wäre vielleicht ein größerer. Aber jeder Anfang ist schwer und klein. So nickt sie sachte, redet weiter
"Nun, das war doch nicht so schwer... Eng verbunden mit der Demut, steht der Gehorsam. Auch Gehorsam hat für die meisten Menschen anfangs einen bitteren Beigeschmack. Viele verbinden damit, dass man willenlos Dinge tut, die einem vorgeschrieben werden, egal ob vernünftig oder nicht. "Gehorsam" klingt immer ein bisschen nach "blind gehorchen"; so als wenn man sein eigenes Denken ausschaltet.
Kinder zum Beispiel überblicken noch nicht die ganze Wirklichkeit und sämtlich Folgen ihres Tuns. Deshalb muss jemand, der einen besseren Überblick hat, für sie vorausschauen und ihnen bestimmte Dinge verbieten und zu anderen Dingen auffordern. Kinder gehorchen (wenn sie gehorchen), weil sie guten Grund haben, ihren Eltern zu vertrauen.
Sobald wir aber meinen, selbst alles zu überblicken, lehnen wir es ab, dass jemand für uns vorausschaut - und verweigern den Gehorsam. Man sieht es auch bei den jungen Leuten, die darauf bestehen, keine Kinder mehr zu sein: Gehorsam zu sein ist ein Zeichen von Unmündigkeit. Selbst zu entscheiden, ist ein Zeichen für Unabhängigkeit und Erwachsensein.
Dabei ist es uns dann manchmal egal, ob wir die Wirklichkeit tatsächlich so gut überblicken, dass wir allein zurecht kommen. Lieber fallen wir ab und zu mal kräftig auf die Nase, als dass wir unsere Unabhängigkeit wieder an den Nagel hängen und Gehorsam üben. Dabei geht es nicht in erster Linie darum, unsere eigene Ansicht aufzugeben und - weil jemand, wie die Ordensleitung oder höher Gestellte des Ordens es uns sagen - einfach anderer Meinung zu sein.
Gehorsam zu sein, heißt ja nicht, das wir aufhören sollen zu denken. Sondern dass wir begreifen, dass unser Denken eben nicht alles umfasst, dass vieles noch außerhalb unseres Horizontes liegt. Es geht darum, dass wir durch den Gehorsam lernen, uns mit Leib und Seele (und unserem Denken und Erkennen) auf den zu verlassen, der eine größere Sicht auf diese Welt hat."
Abermals hält sie inne, blickt die Anwesenden an, lässt ihnen Zeit über ihre Worte nachzudenken, hofft, dass sie wenigsten bei den wenigen angekommen war, verstanden worden war.
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