Wie so oft in schlimmen Zeiten suchte Friya die Burgkapelle auf, kniete sich vor dem Altar nieder und betete laut, wie um sich selber Mut zu machen.
"Der Herr ist mein Licht und mein Heil.Vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meine Kraft: vor wem sollte ich bangen?" Dabei entzündete sie eine weiße Kerze, die sie mit roten Rosen geschmückt hatte, als Zeichen der Zuversicht.
"Herr, ich weiß, dass du uns liebst. Wir glauben, dass du unser Leben in deinen Händen trägst. Hilf uns, deinen Willen zu verstehen und anzunehmen. Herr, dein Wille geschehe!
Bleibe bei uns, Herr, denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. Bleibe bei uns und bei deiner ganzen Kirche. Bleibe bei uns am Abend des Tages, am Abend unseres Lebens, am Abend der Welt. Bleibe bei uns mit deiner Gnade und Güte, mit deinem Wort und Sakrament, mit deinem Trost und Segen. Bleibe bei uns, wenn über uns kommt die Nacht der Trübsal und Angst, die Nacht des Zweifels und der Anfechtung, die Nacht des bitteren Todes. Bleibe bei uns und bei all deinen Gläubigen in Zeit und Ewigkeit. Amen!"Still blieb sie vor dem Altar knien und wischte sich sanft die Tränen aus dem Gesicht. Nur sehr selten sah man die junge Gräfin von Wolfenbüttel so. Nur wenn sie alleine oder wenn ihr Gemahl bei ihr war.
"Herr, bitte schütze Maida, Snorri, Lavly und auch die Anderen die an Bord dieses unglückseligen Schiffes waren. Gib ihnen die Kraft und den Willen zu überleben." sagte sie fast kraftlos und leise schluchzend.